18.10.2008

Lebenskunst Sterben

Fotografin Gülay Keskin

Lebenskunst Sterben, eine Ausstellung in der Heiliggeistkirche in Heidelberg, die ich heute entdeckt habe bei unseren heutigem Ausflug in einer der schönen Städte hier in meiner Umgebung.

Dieses Bild und das Schicksal dieses jungen Mädchens, das an Krebs erkrankt ist und nur noch wenige Zeit zu Leben hat, hat mich berührt. Ein Satz von ihr stand unter dem Bild "Ich gehe ja wohin, wo es viel schöner ist als hier"

Die Fotografien zeigen einfühlsam, dass jede und jeder in dem eigenen Satz lebt,

bei und in sich ist /
war und Ich ist /
war und für uns,
die wir das erleben durften, ein Du.

Rudolf Steiner Vortrag Leipzig 22. Februar 1916, Auszug aus.. Die Erlebnisse des Menschen zwischen Tod und Geburt
....
Bei unserem letzten Zusammensein hier habe ich auch noch erwähnt, dass wenn der Mensch, bevor er sein Leben vollständig ausgelebt hat, durch die Pforte des Todes geht, dasjenige, was als Ätherleib ihm gegeben ist, ja noch nicht vollständig verbraucht ist. Wenn der Mensch im jugendlichen Alter durch die Pforte des Todes geht, hätte sein Ätherleib noch jahrzehntelang am physischen Leib arbeiten können. Diese Kraft ist nicht verloren, sondern sie ist da. Ich habe auch schon erwähnt, wie in der Ge-genwart dadurch, dass der Tod täglich und stündlich in so großer Zahl an die Menschheit herantritt, viele, viele Ätherleiber, die noch lange auf dem physischen Plan hätten am physischen Leib arbeiten können, der geistigätherischen Welt übergeben werden und schwebend bleiben. Und die Kräfte, die in ihnen noch jahrzehntelang den physischen Leib hätten versorgen können, werden zu geistigen Kräften, die mitarbeiten an der geistigen Entwicklung der Menschheit. Daher wird eine Zeit kommen, in der diese Kräfte, die diese Ätherleiber sind, benutzt werden können zum geistigen Fortschritt der Menschheit, – aber nur dann, wenn hier auf der Erde Menschenseelen leben, die so etwas verstehen können. Wenn die heutigen furchtbaren Ereignisse über diese Erde hinübergegangen sein werden und wiederum Friede eingetreten ist, wird von solchen Seelen, die dann in Menschenleibern über diese Erde hier noch gehen werden, etwas verstanden werden können davon, dass alle diejenigen, die früher hinein- gegangen sind in die geistige Welt, ihre Ätherleiber da oben haben, ihre Kräfte einstrahlen können. Von diesen Seelen wird das begriffen werden müssen. Und diese Seelen werden mitarbeiten können an diesem geistigen Fortschritt, der gerade durch so viele Opfertode für die Zukunft möglich ist.
....
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten,
Wird erwachsen Geistesfrucht,
Lenken Seelen geistbewusst,
Ihren Sinn ins Geisterreich.
.....
Wenn wir nun als Mensch unseren physischen Leib verlassen, wohinein gehen wir denn, in was tauchen wir denn eigentlich unter? Wir tauchen wie in Blitzesschnelligkeit mit unserem Tod in das unter, was aus all den übersinnlichen Kräften unseren physischen Leib bildet. Sie können sich ganz ruhig vorstellen, dass alle die Baukräfte, die seit der Saturnzeit an Ihrem physischen Leib gewirkt haben, sich ins Unendliche ausdehnen und Ihnen den Ort bereiten, in dem Sie leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Alles das ist, möchte ich sagen, nur zusammengezogen in dem Raum, der von unserer Haut eingeschlossen ist zwischen der Geburt und dem Tod. Wenn wir nun außerhalb des physischen Leibes sind, dann machen wir vor allen Dingen eine Erfahrung, die für das ganze nachfolgende Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wichtig ist. Ich habe sie schon öfters angedeutet. Die Erfahrung ist von entgegengesetzter Natur wie die entsprechende Erfahrung hier im Leben des physischen Planes. Hier im Leben des physischen Planes, da können wir mit dem gewöhnlichen sinnlichen Erkennen, das wir haben, nicht zurückblicken bis zu der Stunde unserer Geburt. Kein Mensch kann sich an seine eigene Geburt erinnern, kann zurückschauen. Er weiß nur, dass er geboren ist, deshalb erstens, weil man es ihm vielleicht gesagt hat, und zweitens, weil schließlich alle Menschen, die noch später als er die Erde betreten haben, ja auch geboren sind, so schließt er daraus, dass er auch geboren ist. Aber eine wirkliche Erfahrung von seiner eigenen Geburt kann der Mensch nicht haben. Gerade umgekehrt ist es mit der entsprechenden Erfahrung nach dem Tod. Während niemals die unmittelbare Anschauung unserer Geburt vor unserer Seele stehen kann in dem physischen Leben, steht im ganzen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Moment des Todes, wenn der Mensch nur geistig auf ihn hinschaut, vor der Seele. Nur müssen wir uns allerdings klar sein, dass dieser Moment des Todes dann von der anderen Seite gesehen wird. Wenn der Tod etwas Schreckhaftes haben kann, so ist es nur deshalb, weil er hier gesehen wird als eine Auflösung gewissermaßen, als ein Ende. Von der anderen Seite, von der geistigen Seite her, wenn zurückgeschaut wird zum Moment des Todes, erscheint der Tod immerfort als ein Sieg des Geistes, als das Sich-heraus-Winden des Geistes aus dem Physischen. Da erscheint er als das größte, herrlichste, als das bedeutsamste Ereignis. Und außerdem entzündet sich an diesem Ereignis dasjenige, was unser Ich-Bewusstsein nach dem Tod ist. Wir haben in der ganzen Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nicht nur in ähnlichem, sondern sogar in einem viel höheren Sinne ein Ich-Bewusstsein als hier im physischen Leben. Aber dieses Ich-Bewusstsein würden wir nicht haben, wenn wir nicht immerfort zurückblicken könnten, sehen würden, aber von der anderen Seite, von der geistigen Seite, diesen Moment, in dem wir uns herausgerungen haben mit unserem Geistigen aus dem Physischen. Wir wissen nur dadurch, dass wir ein Ich sind, dass wir wissen: Wir sind gestorben, wir haben unser Geistiges aus unserem Physischen herausgelöst. In dem Augenblick, wo wir jenseits der Pforte des Todes nicht hinschauen auf den Moment des Todes, da ist es für dieses Ich-Bewusstsein nach dem Tod so, wie es für das physische Ich-Bewusstsein hier im Schlaf ist. Wie man im Schlaf nichts weiß von dem physischen Ich-Bewusstsein, so weiß man nach dem Tod nichts von sich, wenn man diesen Moment des Sterbens nicht vor Augen hat. Man hat ihn als einen der herrlichsten, als einen der erhabensten Augenblicke vor sich......
Buch Empfehlung: Brücke über den Strom
Mitteilungen aus dem Leben nach dem Tode eines im Ersten Weltkrieg gefallenen jungen Künstlers 1915-1945 von F. Herbert Hillringhaus (Herausgeber)
Auf dem hinteren Buchdeckel steht: Der Tod ist heute für viele Menschen zum Problem geworden. Hat nicht die moderne Naturwissenschaft den Glauben der verschiedenen Religionen und Kirchen von der Weiterexistenz der menschlichen Seele nach dem Tode widerlegt? Gewissheit kann offenbar der moderne Mensch nur dann erlangen, wenn die Naturwissenschaft selbst in ihren Ergebnissen mit einer solchen Aussage in Übereinstimmung steht. Die Naturwissenschaft zu einer Geisteswissenschaft zu erweitern, ist deshalb der erste Schritt. Der Tod erweist sich dann als Tor zu einer neuen, unsere physische Existenz tragenden geistigen Wirklichkeit, in der wir uns ebenfalls weiterentwickeln. Der Erfahrungsbericht diese im erste Weltkrieg gefallenen jungen Musikers gibt einen konkreten einblick, was die Seele erlebt, wenn sie das Tor des Todes durchschritten hat.


Keine Kommentare: