02.04.2009

Rezension Depeche Mode, Sounds of the universe (2009)


von Christian Fraude gesendet am 02.April
Um mal mit den Worten der drei Herren aus Basildon zu sprechen: "it was just a question of time", bis das neue Album weit vor offiziellem VÖ in den Weiten des WWW auftauchen würde. Dies geschah nun Ende März und verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Fans. Es hat, das stellte man schnell fest, noch nie ein solch gespaltenes Lager gegeben, was die ersten Reaktionen auf ein neues Depeche Mode Album angeht! Es gibt diesmal nur schwarz oder weiß oder platt gesagt: gut oder beschissen. Seien wir doch mal ehrlich: erwartet wirklich noch irgendjemand, dass Depeche Mode als einstige Vorreiter im Bereich Elektropop auch heute noch musikalische Akzente und Zeichen setzen? Wenn man es mal ganz objektiv betrachtet, ist diese Zeit doch spätestens seit dem 1993er Album "Songs of faith and devotion" bzw. dem danach folgenden Ausstieg des Elektroniktüftlers Alan Wilder vorbei. Alles, was danach folgte, stand und fiel - qualitativ gesehen - mit den ausgewählten Produzenten. Für das neue Album wählte man das erste Mal seit Langem wieder den gleichen Produzenten wie bei der Vorgängerscheibe. Was dies soundtechnisch bedeutet, wissen alle die, die "Playing the angel" in- und auswendig kennen. Aber ganz so einfach ist es nun auch nicht. Ein schlichte Kopie würden Dave, Martin und Fletch nie zulassen und auch nicht veröffentlichen. Aber gewissen Parallelen sind einfach nicht von der Hand zu weisen. Das Album hat mit 13 Songs auch eine ordentliche Spielzeit. Man konnte diesmal offenbar aus dem Vollen schöpfen, denn es wird noch eine Bonus Cd mit ca. fünf weiteren neuen Tracks geben. Aber gehen wir mal der Reihe nach vor:
In chains
Der Opener beginnt mit einem langgezogenen Intro, was ehrlichgesagt ein wenig simpel gestrickt wirkt. Nach einer guten Minute baut sich der Song dann atmosphärisch langsam auf. Hier drängen sich einem schon gleich die ersten Soundspielereien auf, die sich sehr konsequent durch das ganze Album durchziehen. Minimalistik ist an der Tagesordnung, das merkt man schnell. Ebenso die Verwendung von vielen Analog Synthesizern.
Hole to feed
Der Track startet mit einem düsteren Beat bis Dave kurz darauf in einer seiner tiefsten Stimmlagen zu singen beginnt. Diese bedrohliche Atmosphäre zieht sich eigentlich durch den ganzen Song durch. Man merkt hier allerdings auch schon etwas, was leider auch ein charakteristisches Merkmal dieses Albums ist: es fehlen fast überall so richtig knallige Refrains. Jeder Song wirkt zwar sehr homogen, aber auch sehr monoton. Es sticht nichts so wirklich hervor. Die Tracks haben alle eine sehr hohe Qualität und Wiedererkennungscharakter, aber trotzdem. Der letzte Kick fehlt hier und da.
Wrong
Die erste Single des Albums ist gleichzeitig auch ein absolutes Highlight. Selten haben es Depeche Mode geschafft, einen Midtempo Track so druckvoll zu gestalten! Er ist absolut verdient die erste Single geworden und stellt gleichzeitig aber nicht wie früher oft eine Außenseiterrolle auf dem Album dar. Er fügt sich ganz gut in das Gesamtbild ein.
Fragile tension
An dem Song scheiden sich echt die Geister. Viele finden ihn gut, ich nicht. Er ist tanzbar, keine Frage, vielleicht sogar mit der tanzbarste Track des ganzen Albums. Die Instrumentierung ist auch cool, aber der Gesang wirkt sowas von langweilig, das geht gar nicht. Der Song hört sich an wie eine Demo Version. Nicht mehr und nicht weniger.
Little soul
Der erste vermeintliche Martin Track. Vermeintlich deshalb, weil er den Song im Prinzip fast komplett mit Dave im Duett singt. Das gab es vorher auch selten bis nie. Erwartungsgemäß ist es ein recht ruhiger Song, der aber seine Qualitäten hat, auch wenn die Martin Tracks speziell auf "Playing the angel" alles andere als die Reißer waren.
In sympathy
Man hat ja im Vorfelde nur Lobeshymnen über diesen Track gehört. Er ist nicht schlecht, keine Frage. Sehr tanzbar, von der Grundstimmung auch recht eingängig. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass er sehr einfach gestrickt ist. Qualitativ wäre das für mich eine typische B-Seite geworden und hätte da sicher eigene Qualitäten entwickelt. Im Gesamtbild des Albums geht er aber vermutlich recht schnell unter.
Peace
Der Track ist als 30 Sekunden Ausschnitt ja vor einigen Monaten schon auf der Pressekonferenz in Berlin präsentiert worden. Ohne wenn und aber ist das eine Perle schlechthin! Der Track ist zwar recht ruhig und langsam, aber er hat eine unglaublich tolle Melodie! Verbunden mit den verwendeten Drumeinlagen und Analogsounds bleibt er sofort im Ohr. Großartig!
Come back
Hier merkt man schon, dass die "Sounds of the universe" mit fortlaufender Spieldauer unweigerlich an Intensität und vor allem Qualität zunimmt. Für mich persönlich fangen bei "Peace" die Highlights des Albums an. So auch "Come back". Ebenfalls recht langsam, aber ein Track mit sehr hoher Klangdichte und einer Melodie, die nach dem zweiten Hören im Ohr festsitzt.
Spacewalker
Hierbei handelt es sich um ein kurzes Instrumentalstück. Mehr eine Spielerei als alles andere. Nice to have, aber ansonsten recht unnötig.
Perfect
Perfekt ist das Attribut, was diesem Song schon recht nahe kommt. Ein typischer Depeche Mode Track, ebenfalls tanzbar und eine schöne eingängige Melodie. Er gehört ohne Zweifel auch zu den Höhepunkten des Albums und könnte sogar ein potentieller Kandidat für die nächste Single sein.
Miles away the truth is
Ich sage nur: Depeche Mode in Reinform! Bei dem Track bekommt man Gänsehaut. Er war von Anfang an mein Favourite und daran hat sich bislang nichts geändert. Dieser Track stammt übrigens aus der Feder von Dave Gahan. Damit ist "Miles away" mal wieder einer meiner Höhepunkte eines Albums, der von ihm geschrieben wurde. Bei "Playing the angel" war dies "Nothings impossible". Martin Gore hat echt Konkurrenz bekommen ?
Jezebel
Der zweite Song auf dem Album, der von Martin gesungen wird. Ein wunderschöner Track, der qualitativ ohne Zweifel an Songs wie ?Home? o.ä. rankommt.
Corrupt
Der Abschlußtrack des Albums. Wieder ein Song, der sehr düster und schleppend daher kommt. Er ist sicher keiner der Höhepunkte, aber hat trotzdem einige markante Stellen. Irgendwie ist er für mich atmosphärisch wie viele andere Tracks auch am ehesten mit der "Violator" Zeit zu vergleichen. Das hat die Band ja selber auch schon so ausgedrückt. Leider haben das viele missverstanden und gedacht, die CD klingt dann auch so. Dem ist nicht so (zum Glück), denn wie anfangs erwähnt möchte sicher keiner wirklich eine Kopie von bereits dagewesenem im Regal stehen haben.


Alles in allem haben Depeche Mode mit dieser CD sicher nicht das Rad neu erfunden. Aber die Songs haben alle eine sehr hohe Markanz und Qualität und das wird reichen, dass Depeche mit dem Album wieder voll reinschlagen werden.

1 Kommentar:

JANET hat gesagt…

In Chains

Why do you do the things you do
When all that I see to get from you
It's pain and sorrow

Why do I do the things I do
When all that I see to say to you
Can wait till tomorrow

Why do you say the things you say
When talk doesn't seem that far away
It's painful to me

Why do I say the things I say
When I know that we'll go our separate ways
The way it should be

Why can't I see you're not for me
And this is the way life was meant to be
The way life was meant to be

das ist ein schöner Song. Die Texte sollten doch aber mal mit rezenziert werden...