05.07.2009

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..

..irgendwie habe ich den Hesse lieber als Rilke...sofern man etwas lieber habe sollte, Aber nichts destotrotz mag ich auch Rilke. Gestern abend war Rhein in Flammen und da fiel mir wieder die schöne Geschichte von Hermann Hesse über das Feuerwerk ein. Dieses eine kleine Buch mit dieser Geschichte zwischen meinen Büchern zu finden war nicht einfach aber immer wenn ich den Gedanken des wo ist es nur..einen kurzen Moment loslasse, schwups hab ich es in den Händen oder mir fällt ein wo es liegen könnte.

Und heute morgen bevor wir aufstanden hab ich die Vorleserin gespielt. Es war aber eine ganz andere Geschichte, ebenso schön. So gern ich vorlese, irgendwann kann ich nicht mehr lesen, ich muss heulen weil es so schön ist, so wahr. Ich glaub ich würde nur heulen, wenn ich Wahrheiten in einen schöne Rahmen aussprechen würde...Oder ich Vorleserin wäre. Das kann ich auf die Menschheit nicht loslassen eine Heulsuse. Aber leider ist das so und daher lese ich nur vor in einen kleinen ganz privaten Rahmen. Oder ich schreibe sie ab, weil sie im Netz nicht zu finden ist.


Was du im Leben leistest...

Was du im Leben leistest , und zwar nicht nur als Künstler, sondern ebenso als Mensch, als Mann und Vater, Freund und Nachbar etc., das wird vom ewigen "Sinn" der Welt von der ewigen Gerechtigkeit nicht nach irgendeinem festen Maß gemessen, sondern nach deinem einmaligen und persönlichen. Gott wird dich , wenn er dich richtet, nicht fragen: "Bist du ein Hodler geworden, oder ein Picasso, oder ein Pestalozzi oder Gotthelf?" Sondern er wird fragen: " Bist du auch wirklich der gewesen und geworden, zu dem du die Anlagen und Erbschaften mitbekommen hast?" Und da wird niemals ein Mensch ohne Scham oder Schrecken seines Lebens und seiner Irrwege gedenken, er wird höchsten sagen können: "Nein, ich ich bin es nicht geworden, aber ich habe es wenigsten nach Käften versucht." Und wenn er das aufrichtig sagen kann, dann ist er gerechtfertigt und hat die Probe bestanden.


Wenn solche Vorstellungen wie"Gott" oder "ewiger Richter" etc., dich stören, so kannst du sie ruhig weglassen, auf sie kommt es nicht an. Es kommt einzig darauf an, daß jedem von uns ein Erbe und eine Aufgabe mitgegeben ist, er hat von Vater und Mutterseiten, von vielen Ahnen her, von seine Volk, seiner Sprache her gewisse Eigeschaften, gute und böse, angenehme und schwierige geerbt, Talente und Mängel, und all dies zusammen ist er, und dies Einmalige..hat er zu verwalten und zu Ende zu leben, reif werden zu lassen und schliesslich mehr oder weniger vollkommen zurückzugeben. es gibt da Beispiele von unvergesslichem Eindruck, die Weltgeschichte und Kunstgeschichte ist voll davon: daß zum Beispiel einer, so wie in vielen Märchen, der Dumme und Unnütze in einer Familie ist, und daß gerade ihm eine Hauptrolle zufällt, und daß gerade dadurch, daß er seinem Wesen so treu bleibt, alle Begabteren und Erfolgreichen neben ihm klein werden.


Da gab es zum Beispiel im Anfang des vorigen Jahrhunderts in Frankfurt die hochbegabte Familie Brentano, von deren fast zwanzig Kindern zwei noch heute berühmt sind, die Dichter Clemens und Bettina. Nun, alle diese vielen Geschwister waren hochbegabte, interessante, überdurchshnittliche Leute sprühende Geister, glänzende Talent; nur der älteste war und blieb einfältig, er lebte sein ganzes Leben lang wie ein stiller Hausgesit im Vaterhaus, zu nicht zu brauchen, er war fromm als Katholik, geduldig und gutmütig als Bruder und Sohn, und wurde inmitten der lustigen und witzigen Geschwisterschar, bei der es oft exzentrisch zuging, immer mehr zu einem schweigenden Mittel- und Ruhepunkt einem wunderlichen Haus-Kleinod, von dem Frieden und Güte ausstrahltte. Von diesem Einfältigen, diesem Kindgebliebenen, sprechen die Geschwister mit einer Ehrfurcht und Liebe wie von keinem andern Menschen. So war also auch ihm , dem Trottel, dem Blöden, sein Sinn und sein Auftrag mitgegeben, und er hat ihn vollkommen erfüllt als alle die glänzenden Geschwister.


Kurz, es kommt wenn der Mensch das Bedürfnis hat, sein Leben zu rechtfertigen, nicht auf eine objektive, allgemeine Höhe der Leistung an, sondern eben darauf, daß es sein Wesen, das ihm Mitgegebene, so völlig un rein wie möglich in seinem Leben und Tun zur Darstellung bringe.


Tausend Verführungen bringen uns beständig von diesem Weg ab aber die Stärkste aller Verführungen ist die, daß man im Grunde ein ganz anderer sein möchte als man ist, daß man Vorbildern und Idealen folgt, die man nicht erreichen kann und auch gar nicht erreichen soll. Diese Verführung ist darum für höher veranlagte Menschen besonders stark und gefährlicher als die vulgären Gefahren des bloßen Egoismus, weil sie den Anschein des Edlen und Moralischen hat.


Jeder Bub hat in einem gewisen Alter einmal Fuhrmann oder Lokomotivfühere, dann Jäger oder General, dann ein Goethe oder ein Don Juan werde wollen, das ist natürlich und gehört mit zur natürlichen Entwicklung und Selbsterziehung: Die Phantasie tastet gewissermaßen die Möglichkeiten für die Zukunft ab. Aber das Leben erfüllt diese Wünsch nicht, und die kindlichen und jugendlichen Ideale sterben von selber ab. Und doch wünscht man sich immer wieder etwas , was einem nicht zusteht, und quält sich mit Forderungen an die eigen Natur , die ihr Gewalt antut. Es geht uns allen so. Aber zwichenein, in Stunden des inneren Wachseins, spüren wir immer wieder, dass es keinen Weg aus uns heraus und in etwas anderen hinein gibt, daß wir mit unsern eigenen, ganz persönlichen Gaben und Mängeln duchs Leben hindurch müssen, und dann geschieht es wohl zuweilen auch, daß wir ein Stückchen weiterkommen, daß uns etwas glückt, was wir vorher nicht konnten, und daß wir für eine Augenblick uns selber ohne Zweifel bejahen und mit uns zufrieden sein können. Auf die Dauer gibt es daß natürlich nicht, aber doch strebt das Innerste in uns nach nichts anderem als danach, sich selber natürlich wachsen und reifen zu spüren. Nur dann ist man in Harmonie mit der Welt, und unsereinem wird das selten zuteil, aber desto tiefer ist dann das Erlebnis.

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mannomann.
Mannomann.
Mannom...

Anonym hat gesagt…

Ich muss auch immer heulen, wenn ich eine rührende Geschichte vorlesen muss.

JANET hat gesagt…

man heult aber nicht, wenn man sie für sich liest, jedenfalls ist das mir aufgefallen. "Soll ich weiter lesen, Schatz"? "nee, lieber nicht.." dann reisse ich mich lieber zusammen als in einer monotonen Stimmlage die Sätze runtergspult zu hören. Das ist gemein aber manchen Stimmchen kann man nicht zuhören, das ist zum einschnarchen.

manroe hat gesagt…

Da klingt es doch durch, die echte Bescheidenheit als wahre Grösse, oder das "erkenne Dich selbst", bleib bei Dir, sieh es so, wie es sich DIR darstellt, "... denn ich habe Dir Deine Augen mitgegeben, damit Du siehst, wessen Du bedarfst..." Ich glaube nicht, dass die "göttliche Fügung", ein Karma irgendwie sadistisch ist und uns vorenthält, was wir eigentlich sollten, wollten, könnten. Genau wie eine Fahrkarte von Hamburg nach München, sie wird stimmen, geniesse die Fahrt und schau interessiert aus dem Fenster.

JANET hat gesagt…

dann sollte ich wohl auch Angebote nicht ausschlagen? Auch wenn sie mir gegen den Strich gehen?

manroe hat gesagt…

... nicht unbedingt, das hängt ja auch wiederum von Erfharungswerten ab und die bekommt man auch erst, wenn mal was "schiefgegangen" ist und dafür wiederum muss, ja sollte man auch ein gewisses Kontingent zur Verfügung stellen.

Die Moral oder sonstige Lenkungen müssen doch, wenn sie in die Freiheit führen sollen, auf EIGENEM beruhen. Und dann und dafür ist mein Leitspruch - "es kommt immer drauf an" - er sagt irgendwie alles und nichts, aber darum gehts und wie man dahinterkommt.