14.11.2009

Empfänger werden Sender



MEDIEN - Das Internet sei für die Menschheit ebenso wichtig wie die Erfindung des Buchdrucks, glauben seine Fans - Besonders beliebt sind Mitmachformen wie Facebook und Twitter
Berthold Brecht hatte vor mehr als 75 Jahren eine Vision zur Zukunft der Medien. 1932 schrieb er, das Radio könnte der "großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem" sein, wenn es dem Medium gelänge, "nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhören(...) auch sprechen zu machen."
Heute ist Brechts Idee Realität. Über das Internet jagen Menschen nicht nur Schnäppchen und laden Handy-Klingeltöne. Ihre Online-Aktivität stellen die Medien vor eine neue Maxime: wer seine Leser, Hörer oder Zuschauer im Netz nicht abholt, hat Nachteile. Brechts Vision ist zur Messlatte geworden.
Über Chancen und Risiken dieser "Netz-Gesellschaft" haben Experten auf Einladung der Hessischen Landesmedienanstalt jetzt in Frankfurt diskutiert. Fazit: Das WWW ist für die Menschheit keine geringere Revolution als die Erfindung des Buchdrucks. Besonders das sogenannte Mitmach-Internet (web2.0) verschiebt die Macht vom Anbieter zum Nachfrager -so wie Brecht es erträumte. Doch die neue Mitbestimmung hat auch Schattenseiten: Wer für das Paralleluniversum Internet keine Neugier hat, bleibt oft auch in der realen Welt außen vor. Der Netz-Forscher Peter Kruse formulierte drastisch: "Wer den Anschluss bei dieser Entwicklung verpasst, steht evolutionär an der Wand." Die Netze werden über kurz oder lang jede Diktatur abschaffen. Denn versuchen sie mal, einen Ameisenhaufen zu bändigen." " Und wir stehen erst am Anfang der Explosion. Es geht erst richtig los"


Heiko Lossi
ganzer Text im Darmstädter Sonntags Echo
14. November 2009

1 Kommentar:

Annemarie hat gesagt…

Fantastisch.

Wie Sender und Empfänger harmonieren können, sieht man ja bei dir... was dir immer so alles zufliegt. Unbezahlbar.

*drück*