14.12.2009

Und der Haifisch der hat Tränen und die laufen vom Gesicht doch der Haifisch lebt in Wasser so die Träne sieht man nicht



was ich im letzten Lesekreis dieses Jahres vorgelesen habe (ich hab es mir nicht ausgesucht, ich war einfach an der Reihe)
hier noch mal schriftlich:


In neuen Worten muß sprechen die neue Geistverkündung, und wir müssen nicht stumpf und gehörlos sein gegenüber dem, was in unserer von Ernst durchdrungenen Zeit an neuen Offenbarungen des Geistes zu uns spricht. Dann, wenn wir so empfinden, dann leben wir auch mit jener Kraft, mit der heute der Mensch leben soll, um die großen Aufgabe zu lösen, die der Menschheit gerade in unserem Zeitalter gestellt werden.

Empfunden werden muss die ganze Schwere des Weihnachtsgedankens: In unserem Zeitalter muß in das volle wache Bewusstsein hereintreten das, was der Christus zu den Menschen sagen wollte, als er die Worte sprach:

„So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht eintreten in die Reiche der Himmel“

Den Gleichheitsgedanke, den das Kind offenbart, wenn wir es im richtigen Sinne anschauen, der wird nicht Lügen gestraft durch diese Worte; denn das Kind, an dessen Geburt wir uns in der Weihnachtszeit erinnern, verkündet den Menschen in ihrer Entwicklung durch die Weltgeschichte immer neue Gedanken offenbarend – klar und deutlich, dass in das Licht des Christus, der durchseelt hat dieses Kind, gerückt werden muss dasjenige, was wir an und differenzierenden Begabungen tragen, dass auf dem Altare diese Kindes dargebracht werden muss dasjenige, was diese verschiedenen Begabungen aus uns Menschen machen.

Fragen können Sie nun, angeregt durch den Ernst des Weihnachtsgedankens: Wie erfahre ich den Christus-Impulse in meiner eigenen Seele? – Oh, der Gedanke, er liegt in dem Menschen oftmals schwer! Nun nicht in einem Augenblick, nicht so, dass man sagen kann, unmittelbar, stürmisch pflanzt sich das in unsre Seele ein, was wir als dem Christus Impuls bezeichnen können. Und zu verschiedenen Zeiten pflanzt er sich verschieden ein. Heute hat der Mensch durch sein volles , klares Bewusstsein aufzunehmen solche Weltengedanken, wie sie stammelnd mitzuteilen versucht werden durch die anthroposophische orientierte Geisteswissenschaft, zu der wir uns bekennen.

Fortsetzung folgt...
Rudolf Steiner
Erster Vortrag Basel 22. Dezember 1918

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Heute hat der Mensch durch sein volles , klares Bewusstsein aufzunehmen solche Weltengedanken, wie sie stammelnd mitzuteilen versucht werden durch die anthroposophische orientierte Geisteswissenschaft, zu der wir uns bekennen."

das entscheidende Wort ist "Heute" dies heute, von dem die Rede war, liegt schon lange zurück. jetzt ist ein neues heute, Heute ist ein neues Jetzt. Immer wieder neu, immer wieder jetzt und Heute. Aber ständig halten sich Menschen an das gestern oder sehnen sich nach dem Morgen.
Morgen Kinder wirds was geben, morgen werden wir uns freun.
Oder Yesterday, all my trouble seems so far away....:o)

und die einen stehn im Dunkeln und die ander stehn im Licht....

Annemarie hat gesagt…

Ich stand heute im Licht. Vielen herzlichen Dank, du Liebe, ich verneige mich vor dir und deiner Gabe, Menschen so fantastisch gut zu überraschen...

manroe hat gesagt…

Hallo Nene,

ich denke der gute Steiner hat schon ein umfassenderes HEUTE gemeint, als eines, das bereits nach 100 Jahren veraltet ist.

Immer Jetzt, immer neu, davon sprach er eigentlich immer, wenn man tiefer liest. Das Ich, um das es geht, kann nur im Hier und Jetzt leben, es ist ein Gegenwartskind, laut Steiner. Und sprechen musste er zu Menschen, die noch nicht so weit waren wie viele es heute können. Aber das ist doch dann wieder was anderes?

Immer wieder zu unterscheiden wäre DIE Anthroposophie von DEN Anthroposophen.


Mit herzlichem Gruß
Manfred

Anonym hat gesagt…

oh ja Manfred, oh drei mal ja, was die Unterscheidung angeht.
:)))