
Ein zweischneidig’ Schwert
Wir lieben Menschen, die frisch
heraus sagen, was sie denken.
Vorausgesetzt, sie denken wie wir.
MARK TWAIN
Gantenbein glaubte, jeden Augenblick
seine Geduld zu verlieren. Mit allem konnte
er umgehen, aber nicht damit: Dummheit, die
sich hinter dem Harnisch von Rechthaberei verschanzte.
Seit einer geraumen Viertelstunde versuchte
er Bohrer klarzumachen, daß sein rechtes
Auge östlich von seiner Nase saß. Nein, versteifte
sich der andere mit Vehemenz, nein, und zeigte
mit seinem Stock just auf jenes Auge,
das westlich seiner Nase in die Welt blickte.
Es war zum aus der Haut fahren, wo er
doch so sicher wie die Sonne aufging wußte,
daß er im Recht war. „Welches ist meine
rechte Hand?“ fragte Bohrer nun mit
schlecht verhohlener Schläue im Gesicht,
streckte seine Rechte in Gantenbeins Visage
und landete – auf dessen linkem Auge.
„Siehst Du!“, triumphierte er. „Hier ist
rechts. Also habe doch ich Recht.“
Glücklicherweise kam jetzt Schievelbruch
vorbei. Er kratzte sich kurz am Hinterkopf,
als er merkte, daß keiner der beiden
Streithähne bereit war, einzusehen,
wer allein hier recht haben konnte. Kurzerhand
packte er Bohrer bei den Schultern
und stellte ihn hinter Gantenbein.
„So, jetzt greif‘ mal nach vorn, Bohrer,
und berühre das rechte Auge von Gantenbein.“
–
„Endlich hat er es begriffen, daß ich
Recht hatte!“ triumphierte Gantenbein,
als Bohrers Hand sich auf sein Auge östlich
der Nase vortastete.
„Du irrst dich, Gantenbein“, sagte
Schievelbruch milde. „Du irrst. Nicht du
hattest recht, sondern ihr beide wart im
Recht. Die Wahrheit hat stets zwei Seiten.
Oft kommt es lediglich auf den Standpunkt
an, was uns als wahr und was als unwahr
erscheint.“
Diese Geschichte ist insofern unwahr, als sie
frei erfunden ist. Sie ist insofern wahr, als ihre
Kernaussage wahr ist: Das Schwert der Wahrheit
hat immer zwei Seiten, und beide schneiden genau
gleich scharf. Und wenn wir es wagten, uns
einmal auf den Standpunkt des anderen zu stellen,
könnten wir entdecken, daß auch er – aus seiner
Sicht – recht hat.
Wie wir wissen, sagen Kinder und Narren die
Wahrheit. Hören wir also, was der Narr in Shakespeare’s
‚King Lear‘ zur Wahrheit bemerkt:
„Wahrheit ist ein Hund, der ins Loch muß und
hinausgeschickt wird, während Madame Schoßhündin
am Feuer stehen und stinken darf.“
Merke: Die Wahrheit ist selten bequem, dafür
stinkt sie nicht. Ob die heutigen Rekordumsätze
an Parfums in irgend einem Zusammenhang dazu
stehen?
Die Wahrheit erscheint heute als eine höchst
schillernde Dame. Jeder behauptet, sie zu kennen,
jeder will intim mit ihr sein. Fast alle wissen,
daß dem nicht so ist. „Karadzic ist ein Lügner,
aber er lügt nicht, wie alle Politiker es tun, sondern
wie ein schwerkranker Schizophrener.“ Urteilt
der amerikanische Balkanexperte David
Rieff (Stern 24/95). Wahr ist, daß die Menschen
heute davon ausgehen, belogen zu werden.
Tatsächlich haben all jene Bereiche, deren Geschäft
die Lüge ist, Hochkonjunktur: Die Werbung
zum Beispiel die Medien. Am
besten verkaufen sich Boulevardblätter, die die
Wahrheit soweit dehnen, bis sie bricht. Alle Filme
und TV-Sendungen, in denen menschliche
Schlechtigkeit dominieren. Die Lüge schleicht
sich schon auf unsere Teller, auf die Felder und
in die Waschmaschinen. Sämtliche genmanipulierten
Produkte stellen eine menschlich erschaffene
Lüge dar. Denn die Wahrheit ist identisch
mit dem kosmischen Gesetz. Dieses ist identisch
mit dem genetischen Code. Und jede Veränderung
an letzterem ist eine Schöpfungslüge. Lügen
haben kurze Beine. Daher ist genetisch manipulierter
Same kaum lebensfähig. Atomspaltung
ist eine Kern-Lüge.
Was aber ist die Wahrheit? Die Wahrheit über
jeden Menschen, jedes Tier, jede Pflanze und jeden
Teil der Schöpfung im ganzen Universum ist
nur gut. Sonst wäre Gott eine Lüge. Wenn es Gott
aber gibt, dann muß er eins sein mit der Wahrheit.
Und Gott hat nur Gutes geschaffen. Das andere
hat der Mensch hinzugefügt, unter mißverstandener
Ausübung seines ‚freien Willens‘. Wenn
die Lüge der Schatten ist, dann ist die Wahrheit
das Licht, das heute stärker denn je auf die
Erde strahlt – physisch und geistig, und
das die Ratten aus ihren Löcher treibt.
Oder, wie es die Schweden sagen: Es
kommt alles an den Tag, was unterm
Schnee verborgen lag. Deftiger beschreibt
man denselben Effekt in Angola:
Auch ein Furz, den du unter Wasser losläßt,
kommt an die Oberfläche.
Doch was unten ein stinkendes Rülpsen
der Därme war, verursacht ein hübsches
Blubbern an der Oberfläche.
Etwas mag uns in dieser Hoch-Zeit der
Lüge trösten: Die Samen der Wahrheit,
oder des Guten keimen oft im Dunkeln.
Der Schatten gebiert das Licht, und wenn
wir die Zustände beweinen, sollten wir
nicht vergessen, immer den Samen des
Guten, der in ihnen steckt, zu beachten.
„Wahrheitsliebe zeigt sich darin,
daß man überall das Gute zu finden
und zu schätzen weiß.“
GOETHE
Zum Beispiel die Bedrängnis der Bauern.
Sie ist die Not, die erfinderisch macht.
Wenn dir das Wasser bis zum Halse steht,
mußt du schwimmen lernen. Manch ein
Bauer flüchtet sich jetzt in eine biologische
Landwirtschaft, weil nur diese ihm
noch Preise zum Überleben garantiert. Was,
wenn er mit Giftwirtschaft wunderbar verdienen
könnte? Und sein doppelter Lohn ist dann, daß er
entdeckt, wieviel Freude das Bauernhandwerk
machen kann, wenn es in Einklang mit der Erde
steht. Natürlich trifft dieser Mechanismus nicht
nur auf die Bauern zu.
Denken wir an den Tourismus. Ja, die vielen
Flugzeuge verschmutzen die Luft. Ja, die vielen
Touristen können die Bewohner eines Landes
aus dem Zustand der Unschuld vertreiben. Ja, die
Flugzeugladungen voller Menschen provozieren
Betonkästen an schönen, einsamen Buchten.
Doch wenn du bei jemandem Ferien gemacht
hast, sein Speis und Trank und sein Lächeln genossen,
kannst du nicht mehr auf ihn schießen.
Wenn du die Hochland-Indio von Zentralamerika
kennengelernt hast, ist es dir ein Bedürfnis, einen
gerechten Kaffeepreis zu bezahlen. Wenn du
in Afrika wunderschöne Wochen verbracht hast,
kann für dich der Schwarze nicht mehr das
Feindbild sein.
Wenn du viele Länder bereist hast, schätzt du
die Vielfältigkeit der Menschen und hast doch erfahren,
daß wir alle Brüder sind.
Denken wir ans Fernsehen. Ja, es verstrahlt
die gute Stube. Ja, es vervielfacht die Schwingung
von Angst und Gewalt auf dem Planeten
millionenfach. Ja, es hält uns davon ab, ein erbauliches
Buch zu lesen, oder mit den Kindern
‚Mensch ärgere dich nicht‘ zu spielen. Ja, es
macht Götzen zu falschen Göttern. Doch es bewirkt,
daß die Menschen einander und den Planeten
kennenlernen – selbst wenn es über unangenehme
Bilder in der Tagesschau geschieht. Es
stärkt das ‚Wir‘-Gefühl und die weltweite Solidarität
unter den Menschen. Es ist ein machtvolles,
ungeheuer weit verbreitetes Gefäß, und es
könnte jederzeit zum Guten umgepolt werden –
mit weltweiten Auswirkungen. Wenn wir, die
Konsumenten dies wollen. Auch hier: Die unerhörte
Seichtigkeit des US-TV-Programms gibt
neuen, tiefgründigen Sendern Aufwind, wie dem
Dokumentarfilmkanal des Hollywood-Schauspielers
Robert Redford. Füttere die Menschen
lange genug mit seichter Popmusik, und sie sehnen
sich nach Klassik – und schon entstehen erste
private Klassiksender.
Was lehrt uns dies: Die Wahrheit befindet sich
in der Mitte, und manchmal muß das Pendel erst
gehörig zu beiden Extremen hin ausschlagen, bis
es da zur Ruhe kommt, wo die Harmonie der
Kräfte wohnt, und wo die Heimat der Wahrheit ist.
Wenn zwei sich streiten, lacht der Dritte. Er
heißt Wahrheit. Und er lacht nur, wenn die Streithähne
einander zuhören und sich verstehen wollen.
Wenn zwei die Schwerter kreuzen, dann
sollten sie sich durch den Wust der Argumente
zur Wahrheit durchsäbeln, die in der Mitte wohnt
und ‚Sowohl‘ ‚Als auch‘ ist. Was nicht das gleiche
bedeutet wie ein fauler Kompromiß. Heute
ist Polarität fast zu einem Schimpfwort verkommen.
‚Man soll nicht unnötig polarisieren‘, rufen
die politischen Weichspüler. Warum denn nicht?
Polarität ist eines der fundamentalen Naturgesetze.
Ohne Polarität keine Evolution. Zeugung entsteht
nur, wenn Plus (männlich) und Minus
(weiblich) sich vereinen. Die Suche nach der
richtigen, wahrheitlichen Lösung kann äußerst
befruchtend und befriedigend sein, wenn beide
Seiten wirklich ihre Wahrheit darlegen und nicht
aus Selbstsucht oder Feigheit Lügen in die Runde
werfen. These, Antithese, Synthese – wie es
die Griechen zur Kunst der Dialektik vervollkommneten.
Ist es denn nicht Aufgabe jedes Richters, aus
den Für- und Wider-Argumenten des Verteidigers,
bzw. Anklägers die Wahrheit herauszufiltern?
Nur durch diese Polarität, durch dieses
(hoffentliche) Gleichgewicht der Kräfte entsteht
Wahrheit und, wenn sie angewandt wird, Gerechtigkeit.
Die Wahrheit ist niemals unhöflich,
wenn wir sie in Liebe weitergeben – sosehr wir
sie erfaßt haben. Tatsächlich ist Aufrichtigkeit
eine Begleiterin wahrer Liebe, und das Schönreden
das eitle Gewand der Feigheit. Schon La
Rochefoucauld hatte erkannt, daß „schwache
Menschen nicht aufrichtig sein können“.
Oder
in den Worten Jean Pauls:
„Je mehr Schwäche, je mehr Lüge.
Die Kraft geht gerade.“
Die Lüge ist der Schimmel, den unsere ‚Liebe‘
ansetzt, wenn wir es nicht wagen, unserem
Liebsten die Wahrheit zu sagen. Schon im Buch
des Jakobus können wir nachlesen, daß „die
Zunge die Zunge der Flamme der Wahrheit sein
sollte und nicht das Werkzeug der Kritik, Verurteilung
oder Verleumdung.“ Jemandem eine unangenehme,
aber notwendige Wahrheit über ihn
sagen, ist nicht dasselbe wie Kritik. Erstere ist
aufbauend, wenn vielleicht auch schmerzlich,
letztere zersetzend.
Eine besonders heimtückische Form der Lüge
ist das Verschweigen. Wer verschweigt, statt
redet, wenn es nötig wäre, wäscht seine Hände in
Unschuld – und lädt doch Schuld auf sich. Etwas
sehen, das verkehrt ist, und wissen, daß es verkehrt
ist, und dennoch nichts sagen – das kann
schwerer wiegen als ein aktiver Fehltritt. ‚Unterlassungssünden‘
wiegen oft schwerer als andere
– auch wenn sie heute zum Kavaliersdelikt geadelt
worden sind. Das Böse triumphiert nur,
wenn der Gute nichts tut – oder schweigt. Wie
anders sähe die Welt aus, wenn aus der ‚schweigenden
Mehrheit‘ eine sprechende, tätige, verantwortungsbewußte
würde! Solange wir jedoch
vorwiegend aus einer ‚schweigenden‘ Mehrheit
bestehen, haben Lüge und Unrecht ein leichtes
Leben.
„Willst du Weisheit dir erjagen,
lerne erst die Wahrheit sagen!“
sagt ein Sprichwort.
Ohne Wahrheit keine Weisheit.
Beide haben dieselbe Verwandtschaft: Die
Erfahrung. So, wie das Wissen zuerst durch die
Schule der Erfahrung muß, um zur Weisheit zu
werden, so kann Glaube nur durch Erfahrung zur
Gewißheit – zur Wahrheit werden. Morgenstern
sagte einmal – ‚die zur Wahrheit wandern, wandern
allein‘. Die Wahrheit wartet am Ende des
Pfades, den jeder von uns selbst begehen muß.
Kein anderer kann es für uns tun. Und wenn
doch, dann ist es für uns nicht wirkliche Wahrheit,
sondern bloßer Glaube – oder Überzeugung.
Und da das Wandern des Pfades gleich
Wachsen ist, wächst auch unsere Erkenntnis der
Wahrheit. Auf dem Gipfel ist unsere Fernsicht
schließlich besser, als unten im Tal, wo es aussah,
als würde die Welt an den Berghängen aufhören.
Je höher wir steigen, desto umfassender wird unsere
Sicht – und mit ihr verändert sich, Schritt für
Schritt, unsere Wahrnehmung der Wahrheit.
Davor fürchten sich manche Menschen. Einzugestehen,
daß das, was sie früher als Wahrheit
betrachteten, sich als Irrtum erwiesen hat. Doch
Toleranz und Verständnis, die Kusinen der Wahrheit,
bewahren uns vor Spott. Denn jeder, der in
der Wahrheit lebt und weitergeht, hat das schon
erlebt: Daß das, woran er inbrünstig glaubte und
was er als Wahrheit sah, zur Fata Morgana wurde,
als er es endlich erreicht hatte. Nicht die
Wahrheit ist endlich, aber unsere Wahrnehmung
davon. Unsere Erfahrung ist der Schlüssel, der
uns größere, umfassendere Wahrheit erschließt.
Was könnte schlecht daran sein, lernen zu wollen
– und Altes als verbraucht zu erkennen?
Und nach einem langen, steilen, oftmals mühseligen
Weg des Lernens erreichen wir auf einmal
die sanfte, fruchtbare Hochebene der Weisheit,
die durchzogen ist von den frischen Wassern
der Wahrheit. Wir haben sie nur erreicht,
weil wir lernen wollten. Weil wir das, was wir erkannten,
im Leben prüften.
Beide haben dieselbe Verwandtschaft: Die
Erfahrung. So, wie das Wissen zuerst durch die
Schule der Erfahrung muß, um zur Weisheit zu
werden, so kann Glaube nur durch Erfahrung zur
Gewißheit – zur Wahrheit werden. Morgenstern
sagte einmal – ‚die zur Wahrheit wandern, wandern
allein‘. Die Wahrheit wartet am Ende des
Pfades, den jeder von uns selbst begehen muß.
Kein anderer kann es für uns tun. Und wenn
doch, dann ist es für uns nicht wirkliche Wahrheit,
sondern bloßer Glaube – oder Überzeugung.
Und da das Wandern des Pfades gleich
Wachsen ist, wächst auch unsere Erkenntnis der
Wahrheit. Auf dem Gipfel ist unsere Fernsicht
schließlich besser, als unten im Tal, wo es aussah,
als würde die Welt an den Berghängen aufhören.
Je höher wir steigen, desto umfassender wird unsere
Sicht – und mit ihr verändert sich, Schritt für
Schritt, unsere Wahrnehmung der Wahrheit.
Davor fürchten sich manche Menschen. Einzugestehen,
daß das, was sie früher als Wahrheit
betrachteten, sich als Irrtum erwiesen hat. Doch
Toleranz und Verständnis, die Kusinen der Wahrheit,
bewahren uns vor Spott. Denn jeder, der in
der Wahrheit lebt und weitergeht, hat das schon
erlebt: Daß das, woran er inbrünstig glaubte und
was er als Wahrheit sah, zur Fata Morgana wurde,
als er es endlich erreicht hatte. Nicht die
Wahrheit ist endlich, aber unsere Wahrnehmung
davon. Unsere Erfahrung ist der Schlüssel, der
uns größere, umfassendere Wahrheit erschließt.
Was könnte schlecht daran sein, lernen zu wollen
– und Altes als verbraucht zu erkennen?
Und nach einem langen, steilen, oftmals mühseligen
Weg des Lernens erreichen wir auf einmal
die sanfte, fruchtbare Hochebene der Weisheit,
die durchzogen ist von den frischen Wassern
der Wahrheit. Wir haben sie nur erreicht,
weil wir lernen wollten. Weil wir das, was wir erkannten,
im Leben prüften.
„Es ist leichter, eine Lüge zu glauben, die man
hundert Mal gehört hat, als eine Wahrheit, die
man noch nie gehört hat.“
Diese sehr wahre Erkenntnis stammt von
Robert Lynd.
Jeder, der auf dem Weg der Wahrheit
pilgert, hat es schon erlebt – jenes Erdbeben,
wenn jemand daherkommt und das, was wir mit
Inbrunst glaubten, zur Lüge erklärt und die
Wahrheit ganz neu deklariert. Das sind die Gletscherspalten,
die sich plötzlich auftun, und in die
wir stürzen. Und alles, was uns bleibt, ist das
Kletterseil unseres (Gott)-Vertrauens – und sonst
gar nichts. Kein altvertrauter Boden mehr unter
den Füßen, der uns trägt. Rundherum Dunkelheit
und da oben dieser kleine Spalt von Licht, nur mit
Mut und Zuversicht erreichbar. Was tun? Sich in
den sanften Todesschlaf sinken lassen, weil was
nicht sein darf, nicht sein kann? Oder hochklettern,
und den Kompaß neu ausrichten?
Wenn jemand uns etwas ganz Neues als Wahrheit
verkauft, dann handeln wir am besten so, als
wenn wir ein neues Auto kaufen würden: Wir
machen eine Probefahrt. Funktioniert die Bremse?
Wie ist das Schleuderverhalten? Fährt das
Auto so schnell, wie der Tacho vorgibt? Hat das
Auto die Prüfung zu unser voller Zufriedenheit
bestanden, kaufen wir es. Sonst nicht. Hat die
‚neue Wahrheit‘ ihre Tauglichkeit im Leben bewiesen;
hat die Ursache, die wir schufen, die verheißene
Wirkung hervorgebracht, dann ‚kaufen‘
wir sie. Sonst nicht. Oder würden Sie etwa ein
Auto kaufen, ohne darin Probe zu fahren? Noch
dazu, wenn es vielleicht eine Okkasion ist? Die
Wahrheit ist sehr alt! Und der Verkäufer, der uns
das Blaue vom Himmel herunterredete und uns
verböte, zu fahren, und der da sagte – glaube mir
blind – den würden wir gleich als Scharlatan entlarven.
Kein wahrer ‚Guru‘ verlangt, daß wir
eine Katze im Sack kaufen, oder eine Okkasion
ohne TüV.
Die Wahrheit hat zwei Schwestern: Gerechtigkeit
und Freiheit. Gerechtigkeit ist im Leben
angewandte Wahrheit. Freiheit ist der Zustand,
den wir erlangen, wenn wir in der Wahrheit leben.
Wo nur die kleinste Lüge wohnt, kann nicht
völlige Freiheit existieren. Eine Regierung, die
lügt, schenkt uns keine Freiheit. Und wo die
Wahrheit unterdrückt wird, werden auch die
Menschen unterdrückt. Wann immer ein Mensch
uns die ‚Wahrheit‘ aufoktroyiert, dann ist dieser
Mensch nicht im Besitz der Wahrheit, da er die
Freiheit nicht respektiert. Wo immer blinder Gehorsam
gefordert wird, herrscht der Einäugige.
pilgert, hat es schon erlebt – jenes Erdbeben,
wenn jemand daherkommt und das, was wir mit
Inbrunst glaubten, zur Lüge erklärt und die
Wahrheit ganz neu deklariert. Das sind die Gletscherspalten,
die sich plötzlich auftun, und in die
wir stürzen. Und alles, was uns bleibt, ist das
Kletterseil unseres (Gott)-Vertrauens – und sonst
gar nichts. Kein altvertrauter Boden mehr unter
den Füßen, der uns trägt. Rundherum Dunkelheit
und da oben dieser kleine Spalt von Licht, nur mit
Mut und Zuversicht erreichbar. Was tun? Sich in
den sanften Todesschlaf sinken lassen, weil was
nicht sein darf, nicht sein kann? Oder hochklettern,
und den Kompaß neu ausrichten?
Wenn jemand uns etwas ganz Neues als Wahrheit
verkauft, dann handeln wir am besten so, als
wenn wir ein neues Auto kaufen würden: Wir
machen eine Probefahrt. Funktioniert die Bremse?
Wie ist das Schleuderverhalten? Fährt das
Auto so schnell, wie der Tacho vorgibt? Hat das
Auto die Prüfung zu unser voller Zufriedenheit
bestanden, kaufen wir es. Sonst nicht. Hat die
‚neue Wahrheit‘ ihre Tauglichkeit im Leben bewiesen;
hat die Ursache, die wir schufen, die verheißene
Wirkung hervorgebracht, dann ‚kaufen‘
wir sie. Sonst nicht. Oder würden Sie etwa ein
Auto kaufen, ohne darin Probe zu fahren? Noch
dazu, wenn es vielleicht eine Okkasion ist? Die
Wahrheit ist sehr alt! Und der Verkäufer, der uns
das Blaue vom Himmel herunterredete und uns
verböte, zu fahren, und der da sagte – glaube mir
blind – den würden wir gleich als Scharlatan entlarven.
Kein wahrer ‚Guru‘ verlangt, daß wir
eine Katze im Sack kaufen, oder eine Okkasion
ohne TüV.
Die Wahrheit hat zwei Schwestern: Gerechtigkeit
und Freiheit. Gerechtigkeit ist im Leben
angewandte Wahrheit. Freiheit ist der Zustand,
den wir erlangen, wenn wir in der Wahrheit leben.
Wo nur die kleinste Lüge wohnt, kann nicht
völlige Freiheit existieren. Eine Regierung, die
lügt, schenkt uns keine Freiheit. Und wo die
Wahrheit unterdrückt wird, werden auch die
Menschen unterdrückt. Wann immer ein Mensch
uns die ‚Wahrheit‘ aufoktroyiert, dann ist dieser
Mensch nicht im Besitz der Wahrheit, da er die
Freiheit nicht respektiert. Wo immer blinder Gehorsam
gefordert wird, herrscht der Einäugige.
„Vom Wahrsagen läßt sich wohl leben in der
Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen.“
LICHTENBERG
Kommen wir zu einer Lüge, die sich so gut
maskiert, daß keiner sie erkennt: Die Entschuldigung.
Jede Entschuldigung ist eine Unwahrheit.
Wenn wir darüber philosophieren und etwas
rechtfertigen, was wir falsch gemacht haben, lügen
wir uns nur selber an. Starker Tobak? Entweder,
wir wußten, daß das, was wir taten, falsch
war. Dann ist es ganz offensichtlich eine Selbstbelügung,
wenn wir nun das Make up der Entschuldigung
darauf legen. Oder wir wussten
nicht, daß wir einen Fehler begingen – und dann
brauchen wir uns auch nicht zu entschuldigen
dafür. Schließlich taten wir das, was nach unserem
Wissen richtig war. Also haben wir keine
‚Schuld‘ auf uns geladen. Was also wollen wir
dann ent-schuldigen? Wir können nur um Vergebung
bitten. Die Ent-Schuldigung, die Entledigung
unserer Schuld, liegt nicht an uns, sondern
am anderen. „Ich entschuldige mich“ ist – eine
Lüge! Daher der schale Nachgeschmack, der
bleibt, wenn irgend ein Politiker sich öffentlich
entschuldigt!
Mit jedem Körnchen Wahrheit, das wir finden,
wächst unsere Verantwortung. Im Nichtwissen
einen Fehler zu begehen, wiegt leicht. Im
Hätte-Wissen-Müssen dasselbe tun, schon
schwerer. Und im Besserwissen das Falsche tun
– oder das Richtige nicht tun – versetzt uns ein
wenig zurück auf dem Pfad ‚nach Hause‘. Wer
die Wahrheit scheut, hat kein Recht, einen verantwortungsvollen
Posten einzunehmen. All die
potemkinschen Lügendörfer der Politik und
Wirtschaft krachen geräuschvoll zusammen,
und dahinter stehen die Bosse, nackt und entblößt
wie einst der Kaiser in seinen neuen Kleidern.
Diesmal aber zeigt das Volk mit Fingern
auf sie: Schande über euch! Weg mit euch! An
den Pranger der Unfähigkeit! Es ist leichtsinnig
und dumm, in dieser Zeit, da die Schwingung der
Erde erhöht wird, und das Licht (der Wahrheit)
täglich stärker, sich mit der Lüge, diesem Schattengewächs,
einzulassen.
„Wer lügt, stößt Gott einen Dolch ins Herz“
sagte einst Rathenau.
sagte einst Rathenau.
Wer ist Gott? Auch jener,
den du belügst, und du selbst. Ein Gott in Embryo.
Deine Lüge ist der Dolch, der den Frieden
des anderen zerschneidet, und dessen Klinge irgendwann
einmal dich selbst hart treffen wird.
Eine besonders heuchlerische Form der Lüge ist
Klatsch und dessen niederträchtige Schwester
die Verleumdung. Beide verunglimpfen immer
Dritte. Beide sind wie Steine, die wir in das Glashaus
anderer werfen: Die Fenster gehen zu
Bruch, und die Pflanzen frieren darin. In Wahrheit
sind sie aber nicht Steine, sondern Bumerangs.
Und nachdem sie beim ‚Beklatschten‘,
Verleumdeten ihr Unheil angerichtet haben,
kehren sie zu uns zurück – als Karma. Wer ohne
Fehler, werfe den ersten Stein.
Was immer wir sagen, und damit das Bewußtsein
anderer verschmutzen, ist eine ‚Sünde‘.
Hängt damit zusammen, daß die Journalisten
außer den Schlächtern die kürzeste Lebenserwartung
haben, und daß viele von ihnen im fortgeschrittenen
Alter Alkoholiker sind? Sie verbreiten
das Böse dieser Welt – das eine Lüge ist
– millionenfach. Was geschieht mit dem Bewußtsein
eines Nachrichtensprechers, der jeden
Abend die Schrecken dieser Welt ins Wohnzimmer
von Millionen übermittelt – wie Werner Veigel,
wie Hanns Joachim Friedrichs? Beide wurden
nicht alt. Einer starb kurz nach der Pensionierung
an Krebs, der andere noch davor an einem
Tumor im Gehirn. Könnte dies etwas mit der
Arbeit zu tun haben, die sie jahrzehntelang taten?
Berühmt sein hat sowieso seine Tücken. Zielscheibe
der Wünsche, Begierden, des Neides
und Klatsches von Millionen Menschen zu werden
ist ein äußerst zweifelhaftes Privileg. Kein
Wunder, daß die Mega-Berühmten dieser Welt
wie etwa Elvis Presley, Marilyn Monroe, Michael
Jackson Mühe bekunde(te)n, in eine stabile
Seelenlage zu kommen. Wann immer das Geschoß
des Klatsches unser Ohr trifft, sagen wir
uns einfach: Es ist nicht wahr. Es ist mit Sicherheit
nicht wahr! Denn alles, was weniger ist als
göttliche Vollkommenheit, ist eine vorübergehende
Erscheinung auf diesem Planeten und entspricht
nicht der göttlichen Wahrheit, die das Erbe
und die Zukunft des Menschen ist. Wahrheit
ist eine ehrfurchtgebietende Kraft. Einer, der
lügt, kann dir nicht in die Augen schauen. Er
kann der Wahrheit deines Wesens mit seiner Lüge
nicht standhalten. Man könnte mit der Wahrheit,
die man sich angeeignet hat, all das niederreißen,
was der schöpferischen Vollkommenheit
entgegensteht. Für sich allein ist die Wahrheit jedoch
kraftlos. Sie erhält ihre volle Kraft erst dadurch,
daß sie in den Herzen und dem Geist von
Menschen wohnt. Und daß diese Menschen die
erkannte Wahrheit leben. Damit sie ein leuchtendes
Beispiel für andere sind – statt nur dozierende
Pharisäer, deren Phrasen sich schneller verflüchtigen
als eine Alkoholfahne.
den du belügst, und du selbst. Ein Gott in Embryo.
Deine Lüge ist der Dolch, der den Frieden
des anderen zerschneidet, und dessen Klinge irgendwann
einmal dich selbst hart treffen wird.
Eine besonders heuchlerische Form der Lüge ist
Klatsch und dessen niederträchtige Schwester
die Verleumdung. Beide verunglimpfen immer
Dritte. Beide sind wie Steine, die wir in das Glashaus
anderer werfen: Die Fenster gehen zu
Bruch, und die Pflanzen frieren darin. In Wahrheit
sind sie aber nicht Steine, sondern Bumerangs.
Und nachdem sie beim ‚Beklatschten‘,
Verleumdeten ihr Unheil angerichtet haben,
kehren sie zu uns zurück – als Karma. Wer ohne
Fehler, werfe den ersten Stein.
Was immer wir sagen, und damit das Bewußtsein
anderer verschmutzen, ist eine ‚Sünde‘.
Hängt damit zusammen, daß die Journalisten
außer den Schlächtern die kürzeste Lebenserwartung
haben, und daß viele von ihnen im fortgeschrittenen
Alter Alkoholiker sind? Sie verbreiten
das Böse dieser Welt – das eine Lüge ist
– millionenfach. Was geschieht mit dem Bewußtsein
eines Nachrichtensprechers, der jeden
Abend die Schrecken dieser Welt ins Wohnzimmer
von Millionen übermittelt – wie Werner Veigel,
wie Hanns Joachim Friedrichs? Beide wurden
nicht alt. Einer starb kurz nach der Pensionierung
an Krebs, der andere noch davor an einem
Tumor im Gehirn. Könnte dies etwas mit der
Arbeit zu tun haben, die sie jahrzehntelang taten?
Berühmt sein hat sowieso seine Tücken. Zielscheibe
der Wünsche, Begierden, des Neides
und Klatsches von Millionen Menschen zu werden
ist ein äußerst zweifelhaftes Privileg. Kein
Wunder, daß die Mega-Berühmten dieser Welt
wie etwa Elvis Presley, Marilyn Monroe, Michael
Jackson Mühe bekunde(te)n, in eine stabile
Seelenlage zu kommen. Wann immer das Geschoß
des Klatsches unser Ohr trifft, sagen wir
uns einfach: Es ist nicht wahr. Es ist mit Sicherheit
nicht wahr! Denn alles, was weniger ist als
göttliche Vollkommenheit, ist eine vorübergehende
Erscheinung auf diesem Planeten und entspricht
nicht der göttlichen Wahrheit, die das Erbe
und die Zukunft des Menschen ist. Wahrheit
ist eine ehrfurchtgebietende Kraft. Einer, der
lügt, kann dir nicht in die Augen schauen. Er
kann der Wahrheit deines Wesens mit seiner Lüge
nicht standhalten. Man könnte mit der Wahrheit,
die man sich angeeignet hat, all das niederreißen,
was der schöpferischen Vollkommenheit
entgegensteht. Für sich allein ist die Wahrheit jedoch
kraftlos. Sie erhält ihre volle Kraft erst dadurch,
daß sie in den Herzen und dem Geist von
Menschen wohnt. Und daß diese Menschen die
erkannte Wahrheit leben. Damit sie ein leuchtendes
Beispiel für andere sind – statt nur dozierende
Pharisäer, deren Phrasen sich schneller verflüchtigen
als eine Alkoholfahne.
Die Wahrheit ist das Fundament
allen Wissens und
der Zement aller Gesellschaften.
Ohne Wahrheit hält nur Unterdrückung Völker
beisammen. Ohne Wahrheit also keine Freiheit.
Ohne Freiheit keine Gerechtigkeit. Ohne
Gerechtigkeit keine Wahrheit. Die Begriffe lassen
sich beliebig mischen, die Aussage stimmt
immer – denn die Wahrheit ist das Gesetz.
Wie sagen es die Mauren? „Lügen summen wie Fliegen
und Mücken, die Wahrheit aber strahlt
prächtig wie die Sonne.“
und Mücken, die Wahrheit aber strahlt
prächtig wie die Sonne.“
Ursula Seiler/ Zeitenschrift
ein hochgeschätzer Artikel, den ich wiedergefunden habe..
Ausdruck pdf
3 Kommentare:
die Wahrheit ist so radikal, dass sie dir alles nimmt, ausser dem "Ich bin".
:O)
Janet?
du postest oft videos von youtube, wie kriegst du die eigentlich in deinen post rein?
Nene, die die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat, was der Wahrheit nix schadet.
:O)
merci!!
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